Eltern

Was sage ich meinem Kind nach einem schlechten Spiel?

Nach einer 0:6-Niederlage wollen Eltern schnell helfen. Ich erzähle, warum ich erst einmal nichts sage und was ich nach dem Spiel beobachte.

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Nahaufnahme einer modernen Hallen-Anzeigetafel mit HEIM 0 und GAST 6; darunter ist der obere Teil eines Hallenfußballtors zu sehen.

Nach einem schlechten Spiel fällt Vätern schnell etwas ein, das sie sagen könnten. Die wichtigere Frage ist: Muss ich in diesem Moment überhaupt etwas sagen?

0:6 ist eine Klatsche

Wir waren bei einem Hallenturnier. Es war das erste Turnier, an dem die Mannschaft meines Sohnes teilgenommen hat.

Es gab mehrere Spiele. Die Kinder haben viel investiert, waren irgendwann müde und erschöpft. Im letzten Spiel hätten sie noch weiterkommen können. Dann verloren sie 0:6.

0:6 ist eine Klatsche. Die andere Mannschaft war klar besser. Das muss man nicht schönreden, damit sich ein Kind besser fühlt.

Nach dem Spiel war die Stimmung schlecht. Die Kinder machten sich gegenseitig Vorwürfe. Der eine hatte nicht abgespielt, der andere den Ball nicht getroffen, ein anderer den Torschuss nicht gehalten. Auch die Eltern und der Trainer waren enttäuscht.

Mein Sohn war zusätzlich erschöpft. Er war wütend, traurig und enttäuscht darüber, dass die Mannschaft ausgeschieden war und so hoch verloren hatte.

Ich sagte erst einmal wenig.

Mir war das Ergebnis nicht egal. Ich wusste nur nicht, was ich in diesem Moment sinnvoll sagen sollte.

Die Niederlage war noch nicht verarbeitet

Ich wollte meinem Sohn eigentlich sagen: „Das war eine klare Niederlage. Die andere Mannschaft war besser.“ Gleichzeitig wollte ich ihm vermitteln, dass er deshalb kein schlechter Fußballer ist.

Ich sagte es nicht.

Mein Sohn konnte das in dem Moment nicht aufnehmen. Die Wut und die Enttäuschung waren noch da. Er musste die Niederlage erst einmal selbst verdauen. Da bringt auch die vernünftigste Erklärung nichts.

Auf der Rückfahrt fragte ich ihn später, wie er das Turnier und die Spiele fand. Er sprach weiter über das, was aus seiner Sicht schiefgelaufen war. Wer nicht abgespielt hatte. Wer den Ball nicht gepasst hatte. Wer das Tor nicht getroffen hatte.

Das war keine Analyse. Das war erst einmal Wut.

Was ich bei anderen Eltern beobachte

Ich habe viele Spiele gesehen, auch von anderen Mannschaften. Ich habe noch kein Kind erlebt, das direkt nach einer Niederlage begeistert auf taktische Hinweise oder eine Fehleranalyse der Eltern reagiert.

Oft läuft es anders. Ein Elternteil beginnt, die Szene zu erklären. Das Kind widerspricht. Aus dem Gespräch wird ein Streit. Manchmal sagt dann die Mutter: „Ach Mensch, lass den Jungen doch in Ruhe.“

Daraus kann ich keine Statistik machen. Es ist meine Beobachtung vom Spielfeldrand. Aber ich sehe immer wieder: Eltern, die ihr Kind abklatschen, kurz unterstützen oder erst einmal nichts sagen, bekommen mehr Ruhe in die Situation als Eltern, die direkt nach dem Spiel taktische Hinweise und irgendwelche Lehren mitgeben wollen.

Dafür sind die Kinder in dem Moment nicht offen. Sie müssen die Niederlage erst einmal selbst verdauen.

Die eine richtige Frage gibt es nicht

Die eine richtige Frage nach einem verlorenen Spiel gibt es nicht.

„Warum hast du da nicht abgespielt?“

„Warum hast du nicht früher geschossen?“

„Warum hast du den Ball nicht gehalten?“

Was soll ein Kind darauf direkt nach dem Spiel antworten? Hinterher sind wir alle schlauer. Solche Fragen klingen schnell wie ein Vorwurf, auch wenn sie als Interesse gemeint sind.

Deshalb würde ich heute nicht nach einer festen ersten Frage suchen. Ich würde zuerst abwarten und die Körpersprache meines Sohnes beobachten. Kommt etwas von ihm? Will er erzählen? Ist er still? Ist er noch zu wütend oder müde, um überhaupt zuzuhören?

Vielleicht will das Kind reden. Vielleicht will es einfach seine Ruhe. Das sehe ich mir erst einmal an.

Mir ist das Ergebnis nicht egal

Manchmal klingt es so, als dürften Eltern das Ergebnis nicht wichtig nehmen, damit sie keinen Druck erzeugen. Das sehe ich anders.

Mir ist das Ergebnis nicht egal. Ich kann enttäuscht sein, wenn mein Sohn verliert. Ich kann sehen, dass die andere Mannschaft besser war. Ich kann auch sagen, dass ein Spiel schlecht gelaufen ist.

Aber ich bewerte meinen Sohn nicht anhand dieses Ergebnisses.

Ich habe ihn lieb, wenn er schlecht spielt und das Tor nicht trifft. Ich habe ihn genauso lieb, wenn er zehn Tore schießt. Die Zuneigung darf nicht an der Leistung hängen.

Auch der DFB richtet den Blick auf die Rolle der Eltern. In einem Elternflyer fragt er ausdrücklich, ob Eltern ihrem Kind nach einem Spiel sagen, was es alles falsch gemacht hat. Eltern sind Vorbilder. Ihr Verhalten prägt, wie Kinder mit Sieg und Niederlage umgehen. Der DFB-Elternflyer „Fair bleiben, liebe Eltern“

Ich muss nach einem Spiel nicht sagen: „Alles war super.“ Das wäre unglaubwürdig. Kinder merken, wenn Lob nur eine Beruhigungspille ist.

Als Vater bin ich auch enttäuscht und leide mit. Das bestimmt aber nicht, wie ich meinen Sohn sehe.

Diese Grenze gehört für mich zur Rolle der Eltern im Kinderfußball: Ich begleite mein Kind, auch wenn mir das Ergebnis gerade nicht gefällt.

Feedback kann später kommen

Mein Sohn soll wissen, dass ich für ihn da bin. Auch dann, wenn ein Spiel schlecht gelaufen ist. Auch dann, wenn er einen Fehler gemacht hat.

Er soll später fragen können: „Was hätte ich besser machen können?“ Ohne dass sofort ein Vorwurf daraus wird.

Dafür muss er diese Frage aber nicht direkt nach dem Spiel stellen. Mein Sohn muss die Niederlage in diesem Moment nicht einordnen. Ich erwarte das von einem Kind in diesem Alter nicht sofort. Er muss nicht wenige Minuten nach dem Abpfiff erklären, warum eine Entscheidung auf dem Platz falsch war.

Wenn mein Sohn später über das Spiel sprechen möchte, kann ich zuhören. Wenn er wissen möchte, was mir aufgefallen ist, kann ich meine Beobachtung beschreiben. Nicht: „Du hast wieder nicht aufgepasst.“ Sondern: „Ich habe gesehen, dass du oft selbst zum Ball gegangen bist. Vielleicht können wir später darüber sprechen, wann ein Pass eine gute Möglichkeit gewesen wäre.“

Das ist ein Unterschied. Die erste Aussage bewertet das Kind. Die zweite beschreibt eine Beobachtung und lässt Raum für ein Gespräch.

Wenn ich merke, dass meine eigene Enttäuschung das Gespräch bestimmt, hilft mir die Frage, ob ich mein Kind gerade unterstütze oder es mehr will als mein Kind. Und wenn ich während des Spiels schon zu viel gesteuert habe, lohnt sich ein Blick auf mein Verhalten am Spielfeldrand.

Checkliste: Die ersten Minuten nach dem Spiel

Für mich reichen inzwischen ein paar einfache Prüffragen:

  1. Bin ich selbst noch enttäuscht oder wütend?
  2. Was zeigt mein Kind gerade mit seiner Körpersprache?
  3. Muss ich wirklich eine Frage stellen, oder kommt mein Kind von selbst?
  4. Höre ich zu, ohne sofort zu erklären oder zu korrigieren?
  5. Will ich gerade helfen oder nur meine eigene Sicht auf das Spiel loswerden?

Die letzte Frage ist unangenehm. Sie ist aber oft die wichtigste.

Nach dem 0:6 könnte ich meinem Sohn erklären, dass die Niederlage deutlich war. Das wäre sachlich richtig. Es würde ihm in diesem Moment trotzdem nicht helfen.

Manchmal ist weniger mehr.

Mein Sohn muss nicht nach jedem Spiel eine Lektion mitnehmen. Er muss nicht sofort wissen, was er besser machen kann. Manchmal reicht es, wenn er spürt: Ich darf enttäuscht sein. Ich darf wütend sein. Und mein Vater bleibt da.